Foto oben: Valleys Inselgreen. Foto-Copyright: GC Valley
LIEBER IM ROUGH
ALS IM BÜRO!
Die Golf Valley-Kolumne
Von Jupp Suttner
Nr. 5 / August 2025:
DIE SCHWARZEN SCHAFE
VON VALLEY
– SPRECHEN DEUTSCH!
Trübselig trottete ich zur Bahn B8 von Valley. Und entdeckte: Neben dem Abschlag graste eine kleine Herde – schwarzer Schafe! Das heißt: Nicht alle grasten. Einige hielten sich den Huf eines Vorderbeines vor den Mund und kicherten. Sie mussten mitbekommen haben, welches Putt-Desaster ich am letzten Green hingelegt hatte.
Eines der Schafe schlurfte zum dünnen Elektrozaun und fragte:
„Hi – was machst Du?“.
„Ich spiele Golf.“
Jetzt wurde aus dem Kichern mancher der Tiere ein brüllend mähendes Gelächter der gesamten Herde. Eines warf sich auf den Rücken und hielt sich den Bauch. „DAS soll Golf sein! Mähamähamähahahahahaaaa….“ Tränen des triefenden Humors rannen dem Schaf aus den Augen.
„Sei…sei…seit wann können Schafe reden?“, wurde mir jetzt erst bewusst.
„Seit es Kinderbücher und Kinderfilme gibt. Falls Du je eines gelesen oder einen gesehen hast.“
Na klar – logische Erklärung. Ich hatte genügend Schafskinderbücher verschlungen und Schafsfilmchen gesehen – als ich noch Zeit besaß. Also bevor ich zu Golfen begonnen hatte.
„Und wie heißt Du?“, fragte ich das schwarze Schaf.
„Ich heiße Dolly Shaun.“
„Und kommst bestimmt aus Neuseeland.“
„Nein, aus dem oberbayerischen Oberland. Wir sind schwarze Bergschafe.“
„Meine Vorfahren“, machte ich mich wichtig, „kommen auch aus dem Oberland! Mein Urgoßvater betrieb den Glasbauernhof in Föggenbeuern bei Dietramszell!“
„Und warum bist Du Golfer statt Bauer geworden? Als Golfer versaust Du Dir ein Loch nach dem anderen – während Du als Bauer ein Loch nach dem anderen verpachten könntest!“
„Ja, Frau Shaun, ich weiß: Bringt der Acker nichts mehr ein, machst Du 18 Löcher rein. Aber mein Opa hat den Hof nicht geerbt und ging als Zimmerer nach München. Und jetzt kehre ich eben immer wieder ins Oberland zurück – zum GOLFEN! Hierher nach Valley.“

„Ist ja auch sehr, sehr schön hier“, so Frau Shaun, „Du darfst übrigens ruhig Dolly zu mir sagen.“
„Danke, Dolly – und warum seid ihr in Valley?“
„Wir gehören zum Greenkeeper-Team. Und sollen das Rough des Golfplatzes auf unsere Art und Weise zurecht fressen und stampfen, dass es ebenso luftig ist wie die Roughs der Linkskurse in Schottland. Dort haben unsere Vorfahren die Golfplätze erfunden.“
„Nicht ihr“, wandte ich ein, „sondern eure Hirten!“
„Aber unser Anteil“, reckte Dolly das Kinn, „ist auch nicht zu verachten! Bittesehr!“
Und deutete auf dem Schafphone nach ein paar Nasen-Stups-Klicks auf folgende Passage des neuesten GC Valley-Newsletters:
„Auf echten Linksplätzen kommt der Charakter buchstäblich von den Schafen: In Schottlands Dünen suchten sie Windschutz, drängten sich in Mulden zusammen, fraßen die Vegetation kurz und trampelten den Boden frei. Der Wind riss diese kahlen Stellen weiter auf – natürliche Blowouts, aus denen die ersten Bunker wurden. Daher wirken Links-Bunker wie vom Wind geformte Dünenmulden – entstanden durch Schafe, nicht durch Maschinen.“
„Sehr interessant“, sagte ich.
„Und da der Club Valley hier“, so Dolly, „kein Flachland-Links-, sondern ein ALPEN-Links-Platz ist, haben sie zum Testen dieser Idee uns Schwarze Bergschafe hergeholt. Wir sind zwar eine gefährdete, aber robuste Gebirgsrasse – und lieben Wind, Hänge sowie mageres Rough!“
„Ich LIEBE mageres Rough“, schleimte ich mich ein. „und hasse fettes. Aber ehrlich gesagt: Lieber im Rough als im Büro!“
„Dann drück‘ uns einfach die Hufe . bei Dir heißt das wohl Daumen -, dass wir uns in den nächsten Wochen bewähren. Dann dürfen wir nämlich ständig auf dem Golfplatz Valley bleiben!“
Ich versprach.
Teete auf.
Und donnerte den Ball – ins Rough.
Gleich würde die ganze Herde in wieherndes Geblöke bzw. blökendes Gewieher ausbrechen.
Dachte ich.
Doch kein Ton.
Die Schafe schwiegen. Sie taten, als hätten sie nicht gesehen – was für eine Schafscheiße ich heute spielte.
Vermutlich wollten sie es sich nicht mit mir verderben.
Wegen des Daumendrückens.
Schafe sind ja nicht blöd.

Hinweis:
Der Autor – Jupp Suttner – ist seit genau zehn Jahren Mitglied des GC Valley. Diesem Jubiläum gemäß schreibt er seit April eine seitdem monatlich erscheinende und dem GC Valley gewidmete Kolumne. Aus Dankbarkeit. Denn so gut wie jedes Mal, wenn er dort abschlägt, fällt ihm während der 18 Löcher etwas ein, was er als Journalist vielleicht zu Papier bringen könnte. Dadurch werden zwar seine Gedanken derart abgelenkt, dass er schon wieder ins Aus statt aufs Green schlägt – aber eine uralte Golfweisheit lautet ja:
Lieber im Rough als im Büro!
Falls ihr dem Autor etwas zu dieser Kolumne mitteilen möchtet, dann mailt bitte an:
Schreibt als Betreff einfach
Valley-Kolumne
Dann weiß ich sofort, um was es geht. Danke…
Hinweis 2:
Der Alpen Links Course des GC Valley
liegt mit seinen 36 Spielbahnen
zwischen München und dem Tegernsee,
unweit von Holzkirchen.
Infos:
Falls ihr noch mehr über Valley erfahren wollt
(frühere Geschichten auf
Golf-Stories.com):
https://golf-stories.com/?s=Valley